Seien es die Zustände in Schweineställen, das Schreddern von Eintagsküken oder die Chemie auf dem Acker: Die Kritik an der gegenwärtigen Landwirtschaft lässt nicht nach. Zeit, etwas zu ändern? Nein, Zeit für mehr Öffentlichkeitsarbeit!

Seit Jahren schreiben sich die Lobby-Verbände der deutschen Landwirtschaft „Information“ und „Transparenz“ auf die Fahnen. Sie organisieren Veranstaltungen, drucken Plakate, verteilen Broschüren, drehen Filmchen, gestalten immer neue Internetseiten und produzieren nicht zuletzt Berge von kostenlosen Lehrmaterialien für Schulen, die jährlich mehrere Millionen Menschen erreichen.

Dabei stellen sie die Realität der Nutztierhaltung und des Pflanzenbaus keineswegs so „objektiv“, „sachlich“ und „ideologiefrei“ dar, wie sie behaupten. Stattdessen nutzen sie verschiedene Strategien der Beschönigung und Verharmlosung, die hier dargestellt werden.

  • Abwertung der Kritik: Die häufig gut begründete Kritik an der gegenwärtigen Situation wird als uninformiert und unsachlich diffamiert.
  • Beschönigung: Die Tierhaltung wird beschönigt, indem Tatsachen weggelassen oder umgedeutet werden und unklare Aussagen und glatte Lügen verbreitet werden.
  • Mythen: Es werden Mythen verbreitet wie der, dass nur gesunde und zufriedene Tiere der Tierhalterin wirtschaftlichen Erfolg verschaffen können.
  • Ideologie: Die Tierindustrie transportiert in ihrer Öffentlichkeitsarbeit ein bestimmtes Bild von Tieren und ein bestimmtes Weltbild, das kritischer Reflexion nicht standhält.
  • Fortschrittsversprechen: Da all diese Strategien nicht ausreichend wirken, wird behauptet, dass die Tierhaltung in einem stetigen Verbesserungsprozess sei und jetzige Probleme bald beseitigt würden.
  • Vertrauen: Schließlich setzen die Verbände immer stärker auf die direkte Verbindung zwischen Verbraucher*innen und Tierhalter*innen, da diese das mangelnde Vertrauen wiederherstellen könne.

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