Der Begriff der Ideologie wird ganz unterschiedlich verwendet; manchmal als wertfreie Beschreibung von Überzeugungssystemen, manchmal als abwertende Bezeichnung von dogmatischen Denkmustern. Hier wird unter Ideologie ein bestimmtes Überzeugungssystem verstanden, das nicht oder kaum begründet wird und die Wahrnehmung der Welt einseitig prägt. Eine Ideologie in diesem Sinne wird von der Tierindustrie verbreitet und ist für ihre erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit von zentraler Bedeutung.

Tiere sind zum Nutzen da

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Die Öffentlichkeitsarbeit der Tierindustrie funktioniert nicht nur über eine verzerrte Darstellung der Realität in der Tierhaltung, sondern auch über eine ideologisch geprägte Sicht von Tieren: Es wird davon ausgegangen, dass Tiere quasi „von Natur aus“ zum Nutzen für den Menschen da sind – es sei ihre Aufgabe oder sogar ihr eigener Wunsch, für den Menschen bestimmte Produkte zu liefern. In diesem Bild von Tieren erscheint dann die Gefangenschaft, all die gewaltsamen Eingriffe und das Leiden der Tiere als gerechtfertigt, weil es eben zu ihrer effizienten Nutzung dazugehört, und diese selbst nicht hinterfragt wird.

Häufig drückt sich die Ideologie schon in der Sprache aus: Wenn gesagt wird, dass eine Kuh „Milch gibt“, so legt das schon ein problematisches Bild nahe, denn tatsächlich richtig ist nur, dass die Kuh Milch in ihrem Euter bildet, die von Natur aus für die Ernährung des Kalbes vorgesehen ist. Diese Milch wird dann von Menschen genommen und verkauft. Ähnlich irreführend sind Formulierungen wie „Schweine bringen eine gute Mastleistung“ oder „Hühner versorgen uns mit Eiern“.

Widersprüche ignorieren

Es ist typisch für Ideologien im dargestellten Sinn, dass sie die vernünftige Auseinandersetzung mit Tatsachen und Argumenten blockieren können. Das zeigt sich zum Beispiel in dem Interview mit dem Zentralverband der Geflügelwirtschaft, in dem der Geschäftsführer des Verbandes wiederholt widersprüchliche Aussagen machte, ohne aber die Widersprüchlichkeit einzugestehen. So vertrat bzw. akzeptierte er folgende drei Aussagen:

  1. Die Geflügelhaltung ist tiergerecht.
  2. Tiergerechtheit definieren wir anhand der fünf Grundfreiheiten: Freiheit von Hunger und Durst, von Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten, von Angst und Stress, von haltungsbedingten Beschwerden und die Freiheit zum Ausleben normalen Verhaltens.
  3. Ein Teil der Tiere leiden unter zucht- und haltungsbedingten Beschwerden wie Ganganomalien und Fußballenentzündungen

Diese drei Aussagen können nicht alle wahr sein. Wenn Tiere unter zucht- und haltungsbedingten Beschwerden leiden, „Tiergerechtheit“ aber gerade als Abwesenheit solcher Leiden definiert ist, dann kann rein logisch die Haltung nicht „tiergerecht“ sein. Dem Geflügelverband kommt es eben letztlich nur darauf an, immer wieder zu betonen, dass die Haltung tiergerecht sei – und das scheint wichtiger zu sein als Logik und Vernunft.