Die Verbände der Agrarwirtschaft stecken u.a. deshalb so viel Aufwand in Lobbyarbeit und PR, weil es zunehmend Kritik und Protest gegen ihre Praktiken gibt. Die öffentliche Diskussion über Tierhaltung und nachhaltige Landwirtschaft ist in vollem Gange. Vorangetrieben wird sie auch durch Aktionen und Recherchen der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung, aus der heraus auch diese Seite entstanden ist.

Letztlich kann man fast die ganze Bandbreite des Tierrechts-/ Tierbefreiungsaktivismus als Einsatz gegen die Tierwirtschaftslobby verstehen: Recherchebilder aus Tieranlagen entkräften die Beschönigung, an Infoständen werden Mythen aufgedeckt und Alternativen aufgezeigt, Demos und direkte Aktionen zeigen Konflikte auf und machen Kritik deutlich, Lebenshöfe widerlegen das ideologisch reduzierte Bild vom Tier, die Grundsatzkritik an der Tierhaltung untergräbt das Fortschrittsversprechen und so weiter.

Was könnt ihr tun?

Wenn ihr mit der gegenwärtigen Landwirtschaft nicht einverstanden seid, gibt es viele Möglichkeiten, etwas dagegen zu unternehmen. Hier sind nur ein paar Tipps und Ideen:

  • Aufhören, die Unternehmen finanziell zu unterstützen: Keine Tierprodukte kaufen. Keine weitgereisten, stark verarbeiteten und konventionell angebauten Produkte kaufen. Containern gehen.
  • Alternative Strukturen aufbauen: Sich einer Solidarischen Landwirtschaft anschließen. Selbst anbauen. Foodsharing betreiben.
  • Andere informieren: Mit Freund*innen und Bekannten reden. Flugblätter verteilen. Infostände machen. Vorträge organisieren.
  • Mit Gleichgesinnten Aktionen für Tierrechte, Umweltschutz etc. planen und durchführen. Wenn ihr Ideen sucht, bei welchen Organisationen oder Gruppen ihr euch in eurer Stadt engagieren könnt, schreibt uns gern!

Direkt gegen die Lobbies

Wenn ihr Lust habt, ganz direkt gegen die Öffentlichkeitsarbeit der Lobbyverbände aktiv zu werden, haben wir hier ein paar konkrete Ideen zusammengestellt. Ihr solltet euch allerdings immer die Frage stellen, ob die direkte Konfrontation im gegebenen Fall die beste Strategie ist, oder ob ihr nicht vielleicht die relevanten Inhalte in anderen Kontexten besser rüberbringenvermitteln könnt.

Das schreiben wir, AktivistInnen von Grüne Woche demaskieren, aus unserer Erfahrung mit Infoständen an der Grünen Woche, der weltweit größten Messe für Ernährung und Landwirtschaft, die jährlich in Berlin stattfindet, wo wir an den Eingängen BesucherInnen über die Realität der Tierhaltung und die Beschönigung auf der Messe aufklären wollten – aber erleben mussten, dass nur wenige an unseren Flyern interessiert waren. Vielleicht funktioniert ein „normaler“ Infostand in der Fußgängerzone mit denselben Inhalten besser, als ein „Anti-“Infostand bei einer Lobbyveranstaltung, einfach weil die Leute empfänglicher sind – und es vielleicht auch besseres Wetter ist als im Januar in Berlin 🙂
Das gilt es im Einzelfall zu überlegen.

Büros

Viele Verbände sitzen in Berlin, aber auch anderswo gibt es Büros zum Beispiel der Landesbauernverbände. An diesen Orten sind vielfältige Aktionen möglich: Kundgebungen, kreative Preisverleihungen (wie die Aktionvgl. die Rosa Brille von Grüne Woche demaskieren!, originelle Demos (zum Beispiel eine Lobby-Party mit Kostümen, Sekt und großen Geldscheinen); Banner-Drops, Blockaden, Go-Ins etc. und anderes.

Veranstaltungen

Die Lobbyverbände sind zum Beispiel auf Messen präsent wie der Grünen Woche in Berlin, der Land und Genuss in Frankfurt, der Norla in Rendsburg bei Kiel, der Bildungsmesse Didacta in Köln, der EuroTier in Hannover. Gegen letztere findet eine Demonstration am 12. November 2016 vom Netzwerk Animal Climate Action statt.

Interessant sind auch die Mitgliederversammlungen der Verbände, ihre Konferenzen, der Bauerntag und ähnliches. Der „ErlebnisBauernhof“, das „SchweineMobil“ und das „KuhMobil“ sind auch manchmal bei Stadtfesten präsent. Am „Tag der Milch“ finden allerorten Lobbyveranstaltungen statt. (Siehe dazu www.sag-nein-zu-milch.de) Außerdem gibt es regelmäßig den „Tag des Offenen Hofs“.

Bei manchen dieser Veranstaltungen bieten sich Störungen verschiedener Art an – Banner-Aktionen auf der Bühne, Klettereien, Blockaden, originelle Interventionen und vieles mehr. Bei Publikumsveranstaltungen könntet ihr euch zum Beispiel einen Bauchladen zulegen mit Gewaltinstrumenten der Tiernutzung (Kastrationsmesser, Saugentwöhner, Modell-Bolzenschussgerät) und damit auf dem Stadtfest über die Realität in der Tierhaltung informieren. Infostände vor und bei den Veranstaltungen (zum Beispiel neben dem Lobbystand Recherche-Videos zeigen), Kundgebungen und Demos sind auch immer möglich. Zusätzlich können eigene Vortrags- oder Diskussionsveranstaltungen ein Alternativprogramm bieten.

Weitere Ideen

Wenn Ihr SchülerInnen seid oder sonstigen Kontakt zu Schulen habt, könnt ihr euch gegen Schulmilch und Propagandaveranstaltungen an eurer Schule einsetzen.

Nur einen Computer und Internet braucht ihr, um zum Beispiel auf den Facebookseiten der Verbände kritische Kommentare zu hinterlassen.

Gegen die Lobby-Öffentlichkeitsarbeit bietet sich auch Kommunikationsguerilla an – ausgedachte Pressemitteilungen, überzeichnete Flyer oder Überidentifikationsdemos. Wenn ihr zur Aufklärung über die Öffentlichkeitsarbeit beitragen wollt, könnt ihr auf die Seite agrarlobby.de aufmerksam machen, einen Vortrag dazu in eurer Stadt organisieren oder eigene Veranstaltungen und Informationsmaterialien erstellen.

Wir freuen uns über eure Fragen oder Meinungen auch per Mail!

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