bild websiteDie Gruppe Grüne Woche demaskieren! zeichnet am heutigen Montag den Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) für seine Geflügel-Charta mit der „Rosa Brille 2016“ aus. Die Charta wird als bloße Image-Kampagne und Werbeinstrument kritisiert – eine „Image-Werbung ohne Substanz“.

Nach einer Kundgebung vor dem Haus der Ernährung und Landwirtschaft in Berlin Mitte, wo der Zentralverband der Geflügelwirtschaft seinen Sitz hat, ziehen die Aktivist*inen ausgerüstet mit zahlreichen rosafarbenen Brillen, Transparenten, Schildern und Flugblättern zum Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Dort kritisieren sie die Agrarpolitik, die der Tierindustrie Rückendeckung gibt.

Wir haben heute ein Gespräch von Grüne Woche demaskieren mit dem Geschäftsführer und der Pressesprecherin des ZDG zum Thema der Geflügel-Charta veröffentlicht.

Die Kritik von Grüne Woche demaskieren an der Geflügel-Charta ist dem Faktencheck zu entnehmen, der auf ihrer Homepage veröffentlicht ist:

Tierwohl
Die Geflügel-Charta sagt: „Die deutsche Geflügelwirtschaft macht sich Tierwohl und Tiergesundheit zur zentralen Aufgabe.“
Fakt ist: Hühner und Puten stehen fast ihr gesamtes Leben auf zugekoteter Einstreu. Die Mehrzahl der Tiere leidet deshalb an schmerzhaften Fußballenentzündungen. Es herrscht dichte Enge im Stall: 25 Hühner oder 5 Puten/3 Puter teilen sich einen Quadratmeter – Federpicken und Kannibalismus sind die Folge.

Ressourcenverbrauch
Die Geflügel-Charta sagt: „Wir erzeugen unser Geflügelfleisch ressourcenschonend.“
Fakt ist: Die Herstellung von Geflügelfleisch verbraucht über Fütterung, Mast und Verarbeitung ein Vielfaches der Fläche und des Wassers, die für die Herstellung von pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Getreide oder Kartoffeln benötigt werden. Auch der Ausstoß klimarelevanter Emissionen ist deutlich höher.

Soziale Verantwortung
Die Geflügel-Charta sagt: „Die deutsche Geflügelwirtschaft bekennt sich zu ihrer sozialen Verantwortung, maßgeblich den Mitarbeitern und Angestellten ihrer Unternehmen gegenüber.“
Fakt ist: Die Fleischindustrie fällt wiederholt wegen schwerer Verstöße gegen das Arbeitsrecht auf. Diese reichen vom Lohndumping bis hin zu Menschenhandel zum Zwecke der Arbeitsausbeutung. Mit Werkverträgen werden tarifliche Standards unterlaufen. Angestellte werden systematisch um ihre Rechte und angemessene Löhne gebracht.